KammerOperSchweiz

Zum Werk

Bild zur Oper

«Pimpinone Oder Die Ungleiche Heirat»

von Georg Philippe Telemann (1681–1767)
Ein lustiges Zwischenspiel in 3 Akten

Handlung

Personen

Pimpinone ein ältlicher, neureicher Herr (Bass)

Vespetta «kleine Wespe» Hausmädchen (Sopran)

 

1. Akt:

Vespetta stellt sich Pimpinone als Kammermädchen vor und preist ihre Vorzüge («Ehrlich bin ich, ohne Ehrgeiz, nicht begehrlich») und erläutert ihm die Tätigkeiten, die sich für ein «gemeines Weib» schicken, z.B. spinnen, stricken, nähen …, wohingegen schönen Damen «höflich reden, lieblich singen, künstlich spielen» vorbehalten sei. Pimpinone ist von Vespettas Charme und ihrer scheinbaren Bescheidenheit so hingerissen, dass er sich sofort in sie verliebt («Wie sie mich ganz verwirren kann»). Vespetta, die sich schon am Ziel ihrer Wünsche sieht, lacht ihn heimlich aus und Pimpinone engagiert sie um hohen Lohn und trägt das Gepäck seiner neuen Dienerin galant nach Hause.

2. Akt:

Im Hause Pimpinones behauptet Vespetta ausgebeutet zu werden und will den Dienst quittieren; sie heuchelt Reue für etwaige Nachlässigkeit ihrerseits und bittet um Verzeihung. Pimpinone überlässt ihr nun auch den Schlüssel zum Geldschrank, in welchem sie ein kostbares Geschmeide findet, das Pimpinone schon für sie auserkoren hatte. Doch auch als Vespetta das Geschmeide trägt, spielt sie die Spröde und schlägt Pimpinone vor, sie zu heiraten, da sie fürchtet, sonst ins Gerede zu kommen. In einer meisterhaft gekünstelten Selbstdarstellung preist sie Ihre Vorzüge als Ehefrau an und gelobt Fleiss, Häuslichkeit und Sittsamkeit, was ihr noch die Überschreibung eines nicht unerheblichen Brautschatzes einbringt. In einem abschliessenden Duett («Reich die Hand mir, o welche Freude»), welches von Vespettas Seitenbemerkungen «Alter Esel», «Solch ein Scheusal gibt's nicht wieder» ironisch kommentiert wird, endet der zweite Akt.

3. Akt:

Vespetta ist nun ganz Dame geworden. Elegant gekleidet und frisiert, streitet sie sich mit dem etwas heruntergekommenen Pimpinone, und beide sagen sich ungeschminkt die Meinung. Sie besteht darauf auszugehen, um ihre Gevatterin zu besuchen, worauf Pimpinone, der sie nicht daran hindern kann, in seiner Arie «Ich weiss, wie man redet, ich weiss, wie man's macht» die über die Männer schwatzenden Damen imitiert. In ihrer Arie «Wie die andern will ich's machen» zeigt Vespetta nun ihrerseits, woran wirklich ihr Interesse lag und liegt: «Tanzen viel, sprechen französisch, fein gekleidet will ich poussieren». Pimpinone, der ihr zu bedenken gibt, dass er sie ja verprügeln könnte, erhält daraufhin von Vespetta eine schallende Ohrfeige, welche ein Duett in Form eines tobenden Streits voller Beschimpfungen («wilde Hummel», «Galgenschwengel», «alte Xanthippe», «Totengerippe») einleitet. Nun sind die Verhältnisse eindeutig geklärt, Pimpinone muss nachgeben, und in einem abschliessenden Duett «Schweige künftig, alberner Tropf, sonst erwarte nur den Stecken» endet diese vergnügliche Kurzoper.
 
Musikalische Umsetzung

Die Kammeroper «Pimpinone oder Die ungleiche Heirat» von Georg Philipp Telemann wurde für die Hamburger Oper geschrieben, deren Direktor der Komponist in dieser Zeit war.  Nach der Uraufführung 1725 wurde «Pimpinone» zu Telemanns größtem Bühnenerfolg.  Das gleiche Libretto hatte schon Albinoni 1708 für eine klein Oper genutzt.
Die Aufführung wird mit einer Sinfonia von Giovanni Paisiello ergänzt.  Diese wird in drei Teilen zu hören sein; der erste Satz als eine Quasi Ouvertüre, der zweite und dritte Satz jeweils als Vorspiel zum zweiten und dritten Akt der Oper.
Das Begleitorchester wurde bewusst klein gehalten, dies um die Lebendigkeit und Transparenz, welche «Pimpinone» abverlangt zu gewährleisten.

 

 
Gedanken zur Inszenierung

Die drei Akte der kleinen Oper «Pimpinone oder die ungleiche Heirat» waren von Telemann ursprünglich als Intermezzi für Händels «Julius Cäsar» konzipiert und erlebten 1725 auch in dieser Form ihre Uraufführung. In den Aktwechseln der grossen Oper war die kleinere Oper als komische Auflockerung eingestreut. Dadurch ergaben sich in der Geschichte von Pimpinone und Vespetta Zeitsprünge von unbestimmter Länge. Der Zuschauer sah und hörte, wie sich in der Zwischenzeit die Beziehung der beiden entwickelt hatte.

In der Version der KAMMEROPERSCHWEIZ werden diese Zeitsprünge in inszenierten Zwischenspielen erzählt. Musikalisch haben wir uns dabei für die Sinfonia in D-Dur von Giovanni Paisiello - einem weiteren Barockkomponisten - entschieden.
Der erste Satz dieser Komposition fungiert als eine Art Ouvertüre: In einem stummen Spiel sieht man, wie Vespetta mit Schimpf und Schande von ihrem früheren Arbeitgeber entlassen wird. Sie fliegt auf die Bühne mit nicht viel mehr Besitz als den Kleidern an ihrem Leib und muss sich neu orientieren. Zum Anfang der ersten Arie entdeckt sie das Publikum und bewirbt sich direkt bei den Leuten als Kammermädchen.
Der zweite Satz der Sinfonia - zwischen dem ersten und dem zweiten Akt situiert - markiert im Zeitraffer die Annäherung zwischen den beiden Figuren. Vespetta wird neu eingekleidet, mit Vergnügen schaut ihr Pimpinone bei der Arbeit zu und es kommt zu Vertraulichkeiten.
Im letzten Intermezzo sieht man die Verwandlung Vespettas zur Dame von barocker Pracht, während Pimpinone zusehends zum Diener im eigenen Hause wird.

 

 
Bühne
Die KAMMEROPERSCHWEIZ legt bei ihren Inszenierungen den Fokus auf die Musikalität und das Spiel der Figuren. Bei der Gestaltung der Bühne bemüht sie sich daher um nahezu konzertante Einfachheit (nicht zuletzt auch, um die geplante Tournee möglichst unaufwändig bestreiten zu können).
Bei der ersten Arbeit – «Bastien und Bastienne» von W. A. Mozart – gab es nur einen einfachen, naiv bemalten Hintergrund und ein Mäuerchen. Für Pimpinone benötigen wir nicht mehr als eine Bank und einen kleinen roten Vorhang. Letzterer markiert das Theater, dient als Auf- und Abgang sowie als Versteck und Umzugsort für die Figuren.
 
Kostüme
Im Gegensatz zur Einfachheit im Bühnenbild werden die Kostüme von einer gewissen Opulenz und von grosser Expressivität geprägt sein. Vespettas Kleidung wandelt sich im Laufe der Handlung vom zerschlissenen Leinenkleidchen in ein Barockkleid von herrschaftlicher Pracht, während Pimpinone vom anfänglich reich gewandeten Kaufmann zum ungepflegten, Pantoffel tragenden Hausmann mutiert.
 
Spielform
Die Spielform orientiert sich an der Expressivität der späteren, stilisierten Commedia dell’Arte. Das schlägt sich auch in der Figurengestaltung nieder: bei Vespetta sind viele Charaktereigenschaften einer Colombina - wie sie in «Diener zweier Herren» von Carlo Goldoni vorkommen - wieder erkennbar. Die Bauernschlauheit, die Fähigkeit, eine Intrige erfolgreich und mit Spass zu führen, das Einsetzen weiblicher Reize für egoistische Zwecke. Auch in der Titelfigur lassen sich unschwer Züge eines Pantalones  wieder finden. Ein reicher Kaufmann, trotz vorgeschrittenem Alter, immer noch der jungen Damenwelt zugetan. Zur Verstärkung der Situationskomik werden wir Pimpinone in der Nähe des Greisenalters ansiedeln. Etwas langsam geworden, fangen seine Lebensgeister beim Anblick Vespettas wieder an zu sprudeln.

Dieser Spielstil wird uns auch dabei behilflich sein, die im Barock üblichen Wiederholungen szenisch abwechslungsreich und kreativ zu gestalten.